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Im E-Netz-Allgäu: Wenig Platz für viele Züge; Pünktlichkeit zwischen Memmingen und Lindau soll besser werden

Bodolz, den 04.05.2022

„Reparatur an einem Signal“ oder „Vorfahrt eines anderen Zuges“ – diese und ähnliche Ansagen hören Fahrgäste auf der Bahnstrecke Memmingen – Leutkirch – Kißlegg – Wangen – Lindau häufig, wenn sie am Bahnsteig stehen und der Zug auf sich warten lässt. Solche Begründungen mögen auf den Einzelfall einigermaßen zutreffen, jedoch schwingt gerade zwischen Memmingen und Hergatz immer noch ein weiteres, generelles Problem mit: Die Strecke hat zu wenig Kapazität für das, was man ihr zumutet.

 

Eingleisig verläuft die Strecke zwischen Memmingen und Hergatz. Und die Bahnhöfe mit Ausweichgleisen, an denen sich die Züge begegnen können, liegen teils weit auseinander. Zugleich herrscht ein großer Druck im Fahrplan, denn Fernverkehrszüge fahren hier ebenso wie Nahverkehrs- und Güterzüge. Die Folge: Schon kleinere Verspätungen einzelner Züge führen häufig dazu, dass das gesamte Fahrplangefüge ins Wanken gerät. Und Verspätungsursachen gibt es viele: Züge, die bereits Verspätungen von anderswo mitbringen. Technische Probleme an Fahrzeugen, Signalen, Weichen oder Bahnübergängen. Oder Güterzüge, die mit eiliger Fracht unterwegs sind und daher Vorrang haben. Im Einzelfall kann es sogar geschehen, dass eine einzelne Störung so viele Folgeeffekte nach sich zieht, dass erst die nächtliche Betriebsruhe wieder Ordnung ins System bringt.

 

Erklären lässt sich diese Situation mit einem Blick in die Streckengeschichte: Die heutige Verbindung Memmingen – Kißlegg – Hergatz – Lindau wurde nicht als länderübergreifende Hauptachse geplant und gebaut. Vielmehr ist sie zusammengewachsen aus einzelnen Teilstrecken, die die Königreiche Bayern und Württemberg ab den 1850er-Jahren für ihre jeweiligen regionalen und lokalen Zwecke der damaligen Zeit bauten. Kernstück war die Verbindung von Aulendorf über Kißlegg und Leutkirch nach Isny. Begleitend dazu entstand eine Stichbahn nach Wangen. Von Leutkirch sollte es laut den ursprünglichen Planungen stets links der Iller weitergehen in Richtung Norden. Die Anknüpfungen an die bayerischen Strecken bei Memmingen und Hergatz kamen erst nach weiteren Verhandlungen zustande.

 

Die Verkehrspolitik der 1980er-Jahre führte dazu, dass Stationen wie Unterzeil, Gebrazhofen oder Ratzenried aufgegeben oder zumindest in ihrer Leitungsfähigkeit deutlich reduziert wurden. Mit dem späteren Beschluss, die Strecke als Teil der internationalen Achse Zürich – München zu elektrifizieren, war ihre Zukunft zwar gesichert, doch etwa in den Wiederaufbau stillgelegter Gleise wurde nicht investiert. Stattdessen musste die Strecke ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2020 einen großen Zuwachs an Fern- und Nahverkehrszügen verkraften. Kurz darauf entdeckten auch immer mehr Güterverkehrsunternehmen die nun elektrisch befahrbare Route für ihre Transporte aus und in Richtung Vorarlberg beziehungsweise Schweiz. Mit Blick auf diese Überlastungssituation sagen Kritiker, dass es sinnvoller gewesen wäre, die etwas längere und steigungsreichere, dafür aber durchgehend zweigleisige Strecke über Kempten zu elektrifizieren – oder aber dass es zumindest notwendig gewesen wäre, abgebaute Gleise zwischen Memmingen, Kißlegg und Hergatz zeitgleich mit der Elektrifizierung wieder aufzubauen.

 

Laut der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG), die im Namen des Freistaats Bayern die Nahverkehrszüge auch auf der Strecke Memmingen – Kißlegg – Lindau bestellt, lag die Pünktlichkeit im so genannten „E-Netz Allgäu“, das die Gesamtstrecke München – Memmingen – Lindau umfasst, im Dezember 2021 bei lediglich 72,2 Prozent. Im März 2022 betrug sie immerhin 88,4 Prozent. Das Verkehrsunternehmen Go-Ahead, das die Nahverkehrszüge auf dieser Linie betreibt, sei aber meist nicht selbst für die Verspätungen verantwortlich, sondern sei von den Auswirkungen anderer Ereignisse betroffen. Um die Pünktlichkeit zu verbessern, befinde sich die BEG derzeit in intensiven Gesprächen mit Go-Ahead, der Deutschen Bahn als Betreiberin der Streckeninfrastruktur und der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg. Auch die Betreiber der Fernverkehrszüge sollen einbezogen werden.

 

Mit den fabrikneuen Zügen von Go-Ahead gibt es seit Fahrplanwechsel im vergangenen Dezember zwischen Memmingen und Lindau einen zeitgemäßen Nahverkehr im Stundentakt. „Ich hoffe, dass die Pünktlichkeit noch besser wird, auch was die Anschlüsse angeht“, sagt Jürgen Löffler, Geschäftsführer des bodo-Verkehrsverbunds, auch mit Blick auf das 9-Euro-Ticket, das von Juni bis August noch mehr Fahrgäste in die Züge locken wird.

 

 

Pressekontakt
Felix Löffelholz (Marketing & Presse)
Tel.: 0751 361 41 33
E-Mail:
felix.loeffelholz@bodo.de

Über bodo:
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Bild zur Meldung: Viele Züge – wenig Gleise: Dieses Beispiel aus dem Bahnhof Wangen (Allgäu) zeigt, wie knapp die Infrastruktur auf der Strecke Memmingen – Hergatz bemessen ist. Die beiden roten Triebwagen von DB Regio mussten außerplanmäßig zur Seite rangiert werden, um Platz für die Begegnung der beiden blauen Züge von Go-Ahead zu schaffen. Foto: bodo/Jürgen Löffle