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Aus der Ortsheimatpflege

Bodolz, den 25.01.2019

In den Bodolzer Dorfnachrichten Dezember 2015/Januar 2016 haben wir nach dem Ursprung des Kreuzes im Bettnauer Wald gefragt. Dieses Rätsel konnte jetzt geklärt werden.

 

Im unteren Teil stehen die Buchstaben H.G. und die Zahlen 1863 - 1946.

 

Es gibt nun eine handgeschriebene Chronik der Familie Hagen in Wasserburg.

 

Hier steht: Das Marterl stand früher 4 Meter südwestlich vom Heutigen. Die alten Wasserburger nannten es das rote Bildstöckle. Es wurde von Hermine Gierer (kommt aus Hausnummer 61 in Wasserburg) erneuert, weil das alte Bildstöckle ganz verfallen war. Sie tat dies, weil dieses Plätzchen der Lieblingsplatz ihres Vaters Hermann Gierer war. Deshalb ließ sie sein Geburtsjahr (1863) und das Todesjahr (1946) einritzen.

 

Dann steht noch in der Hagen-Chronik:

Ich halte dieses hier schriftlich fest, weil es bisher nur mündlich überliefert war und in einigen Jahren vollständig in Vergessenheit

geraten wäre.

 

Quellen:

Hagen-Chronik von Johann Baptist Hagen (1904-1963) aus dem Jahre 1957

Hinweis auf diese Chronik von Dieter Kraus Wasserburg

Kopien von der Familie Appolonia und Johann Huber aus Wasserburg

Sterbeeintrag Gierer Hermann Nummer 5/1946 Standesamt Wasserburg

 

Im oberen Teil des Kreuzes stehen die Buchstaben IHS 1806 - 1813.

Das IHS dürfte für die ersten drei Buchstaben des Namens Jesu stehen. (siehe Hinweis in Wikipedia). Es ist eine Kurzform des Namens Jesu. Zu den Jahreszahlen steht in der Hagen-Chronik: Anno 1796 und 1797 große Einquartierungen, viele Truppendurchzüge und Plünderungen aller Orten.

Aus dieser Zeit stammt auch das Marterl im oberen Röhrenbach, wo die sieben Wege zusammen münden. Dort soll ein Franzose begraben worden sein, der als Einzelgänger auf dem Wasserburger Bühl eingekehrt sei und sich dort frech benommen habe. Die Bichlwirths Knechte haben ihn dann totgeschlagen und bei Nacht im oberen Röhrenbach an den sieben Wegen eingegraben. Das Marterl stand selber früher vier Meter südwestlich vom heutigen Marterl.

 

Dieser Hinweis ist später aufgeschrieben worden. Ob er stimmt, oder nur so überliefert worden ist, lässt sich leider nicht mehr belegen.

 

Zu den Jahreszahlen kann vermerkt werden:

Nach Napoleons Sieg im dritten Koalitionskrieg von 1805 schuf der franzözische Kaiser am 12. Juli 1806 mit dem Rheinbund auf dem Boden des zerbrechenden Alten Reichs eine von ihm abhängige Föderation. Dieser Rheinbund bestand in Bayern von 1806 - 1813 (siehe auch Wikipedia). Nachdem Napoleon in Russland eine katastrophale Niederlage erlitten hatte, brach der Staatenbund ab 1813 wieder auseinander. Dies stimmt mit den Zahlen im Marterl überein.

 

Somit kann festgestellt werden, dass der untere Teil des Kreuzes

sicher belegt werden kann und der obere Teil vermutlich an die Zeit von Napoleon und die Teilnahme Bayerns an den Rheinbund erinnert.

 

Ein Dankeschön an Herrn Dieter Kraus und die Familie Huber aus Wasserburg.

 

Ihr Ortsheimatpfleger

Andreas Durrer

 

Foto: Kreuz Bettnauer Wald